DIE GELEHRTEN FRAUEN

Jean Baptiste Molière

Was Chrysale, wohlhabender Bürger und harmoniebedürftiger Ehemann, hat es mit seiner Sippe nicht leicht. Seine dominante Ehefrau Philaminte, seine eigenwillige Schwester und auch seine älteste Tochter haben sich ganz der Poesie und Wissenschaft verschrieben. Sie achten mit Eifer auf korrekte Semantik, Grammatik und Orthographie sowie auf höchsten intellektuellen Anspruch in der Konversation. Trissotin, der Hausdichter, erfüllt die Erwartungen der "gelehrten Frauen" mit Hingabe und ist ihnen ein stets gern gesehener und umschmeichelter Gast. Henriette, die jüngste Tochter des Hauses, interessiert sich dagegen wenig für Poesie und wünscht sich nichts sehnlicher als die Ehe mit ihrem geliebten Clitandre. Chrysale unterstützt die Hochzeitspläne, doch in diesem Hause genügt des Vaters Wort nicht - schon gar nicht, wenn Philaminte längst anders entschieden hat. Sie will Henriette mit dem Schöngeist Trissotin vermählen. Die Situation im Hause droht zu eskalieren, als Chrysale nicht wie gewohnt klein bei gibt, sondern gegen die Anweisungen seiner Philaminte rebelliert, jedenfalls fast, oder zumindest ein bisschen...


 

Der Autor

 

"Die gelehrten Frauen" ist das vorletzte Theaterstück Molières, er veröffentlichte es 1672 - ein Jahr vor seinem berühmtesten Schauspiel "Der eingebildete Kranke", bei dessen vierter Aufführung er einen Schwächeanfall erlitt und noch am selben Abend starb. "Die gelehrten Frauen" zählte Molière zu seinen Lieblingsstücken und hielt es "für ganz und gar vollendet". Wie in vielen seiner Werke lässt er es auch hier an Gesellschaftskritik nicht fehlen und thematisiert die Gespreiztheit der "preziösen Gesellschaft", deren Koketterie und Prüderie sowie die Emanzipation der Frauen. Zu seiner Zeit wirkte das Stück polemisch und war auch so gemeint, doch selbst mehr als 333 Jahre später hat es nichts von seiner Aktualität verloren. Zudem begeistert Molière in den "gelehrten Frauen" mit satirischem Biss, psychologischem Tiefgang, herrlicher Charakterkomik und sprachlichem Witz.

 

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